Peter Weiss – Die Ästhetik des Widerstands

Samstag, 20. Februar 2016 - 15:00

Die Ästhetik des Widerstands stellt den Versuch dar, die historischen und gesellschaftlichen Erfahrungen und die ästhetischen und politischen Erkenntnisse der Arbeiterbewegung in den Jahren des Widerstands gegen den Faschismus zum Leben zu erwecken und weiterzugeben.

Ein Seitenstück zu dem Roman sind Weiss’ Notizbücher 1971–1980, eine Auswahl, die vom Autor selbst mit der Absicht zusammengestellt wurde, den Entstehungsprozess, die Quellen des Romans und die langdauernde Arbeit an seiner Fertigstellung zu dokumentieren.

Das erst kurz vor dem Tod des Autors abgeschlossene Werk zeichnet ein umfassendes Bild der faschistischen Epoche in Europa aus der Sicht des antifaschistischen Widerstands.

Zentrale Figur ist ein durch den ganzen Roman namenlos bleibender, fiktiver deutscher Arbeiter und Widerstandskämpfer, den Weiss, wie er selbst bemerkte, mit seiner eigenen »Wunschbiographie« versehen hat. Dieser Arbeiter leidet darunter, dass er, der Proletarier, sich nur unter sehr großen Anstrengungen bilden kann, doch benötigt er Bildung, um die Welt zu deuten und sein Verhalten im Klassenkampf darauf einstellen zu können.

Die Vielzahl der Künstler und Kunstwerke, die Peter Weiss in dem Roman eingebunden hat, bilden eine Art musée imaginaire (erdachtes Museum), hauptsächlich der Bildenden Kunst und der Literatur, aber auch der Darstellenden Kunst und der Musik. Sie gelten als kulturelle Spurensicherung, mit der ein Bogen von der Antike über das Mittelalter und die Renaissance, über Werke der Romantik und des Realismus bis hin zu der Kunst des Expressionismus und der Avantgarde mit ihrem Ausdruck im Dadaismus, Surrealismus und Kubismus gespannt wird. Die vielfältigen ikonographischen Bezüge sind ins Verhältnis gesetzt zu der Erzählung der Geschichte der Arbeiterbewegung und des Widerstands gegen den Faschismus in Europa in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die kunsthistorischen Exkurse reflektieren die Unzulänglichkeit proletarischer Bildung und die Mechanismen der Herrschaftssicherung mittels kultureller Entmündigung des Proletariats.