Der Mai ist gekommen, die Vögel sterben aus

Jürgen Roth liest aus seinen Büchern »Kritik der Vögel« und »Unser Freund, der Kiebitz« (beide zusammen mit Thomas Roth und F. W. Bernstein)

Samstag, 4. Mai 2019 - 15:00

Jürgen Roth hält sich in Anbetracht der gesamtgesellschaftlichen Malaise gerne an die wenigen Vögel, die in dieser zernichteten Welt noch leben. Sie sind Quell des täglichen Staunens und der nicht niederzuwingenden Freude. Und sie verschwinden unaufhaltsam. Ihr Verschwinden ist ihm ein Indikator für einen in der Geschichte der Erde noch nie dagewesenen Artenverlust, für jenen Krieg gegen die Natur, den der Kapitalismus entfesselt hat. Mittels Technik und Industrie »steht der Mensch in der Natur wie eine Besatzungsarmee im Feindesland«, heißt es bei Ernst Bloch.

Jürgen Roth lebt seit Ende der achtziger Jahre in Frankfurt am Main und studierte u. a. bei Alfred Schmidt, jenem Assistenten von Adorno, der über den »Begriff der Natur in der Lehre von Marx« promoviert hat und für die Verweise auf Marx in der »Negativen Dialektik« verantwortlich zeichnet. Roths Verhältnis zu Frankfurt ist mittlerweile ein durchaus negativ-dialektisches, da sich die Stadt unterdessen tatsächlich in jenen Kapitalmoloch verwandelt hat, für den man sie immer schon hielt. Deshalb fährt er gerne auch mal nach Bottrop, Duisburg oder Gießen. Jürgen Roth ist Verfasser zahlreicher Bücher (unter anderem über Bier, Fußball, Verona Feldbusch, Deep Purple, die Verwilderung der Sitten und das Rauchen) und veröffentlicht regelmäßig Texte in der Zeitschrift konkret, sowie in taz, Titanic und anderen Organen.

Jürgen Roth liest im Georg-Büchner-Club aus seinen zwei Büchern »Kritik der Vögel« und »Unser Freund, der Kiebitz« (beide zusammen mit Thomas Roth und F. W. Bernstein). »Unser Freund, der Kiebitz« erscheint Mitte Mai bei Zweitausendeins. Dabei wird er auch die Frage »Der Kiebitz - ein Mann für den Kibbuz?« klären. Ja, er wird sie so was von klären, dass sich die Frage sauber erübrigt haben wird.

Die Veranstaltung mit Jürgen Roth wird vom Kulturamt der Stadt Gießen unterstützt.